Portugal: Malerische Landschaft vs. Ärger mit dem Mietwagen

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Diesmal hatte es uns für eine Woche nach Portugal verschlagen. Sommer, Sonne, weg aus dem trüben Gedöns, das sich Wetter in Deutschland nennt. Wir sind Ende Juni 2014 mit Ryanair geflogen und kamen durch die Zeitverschiebung nach hinten gegen 23:30 schließlich am Flughafen Faro an. Wir hatten einen Mietwagen bei Cardelmar bestellt und sollten den nun am Flughafen abholen, um damit zu unserem Hotel zu kommen.

Das portugiesische Chaos fing damit an, dass Parkdeck 4 ziemlich außerhalb auf dem Parkplatz liegt und wir wegen der späten Uhrzeit erst einmal 20 Euro Zusatzgebühr bezahlen mussten. Aber der richtige Schock kam erst beim Auslösen des Wagens: Muttern hatte die Pin ihrer Visa vergessen, daher wollte ich von meiner Karte die Kaution decken – aber das Gerät des netten Herren funktionierte nicht. Er versicherte uns, dass es an meiner Karte läge und alle anderen Leute vorher bequem mit Pin-Eingabe hatten zahlen können. Super, mal eben 1000 Euro in Bar hatten wir aber leider nicht dabei. Ist schon blöd wenn man nachts um halb zwei ohne Auto an einem fremden Flughafen festsitzt.

Wir also zur nächsten Tankstelle und dort an den Bankautomaten. Gut, dachte ich mir, ziehe ich das Geld halt so ab. Aber das ging leider auch nicht, da Abbuchung im Ausland auf 200 Euro pro Tag begrenzt war. Merke: Vor dem Urlaub immer das Kreditkartenlimit online abchecken und ggf. erhöhen! Wir waren an dem Punkt bald der Verzweiflung nahe. Zum Glück hatte ich noch meine beiden normalen EC-Karten dabei und konnte damit ebenfalls jeweils 200 Euro abziehen.

Damit hatte ich 600. Und Mutter den Rest dabei – also konnten wir dann schließlich pleite endlich das Auto entgegennehmen. Ich sage euch, so sollte ein Urlaub nicht beginnen….
Zu unserem Hotel Residencia Santa Eulalia in Albufeira waren es angeblich 30km. Im Endeffekt hat uns unser geliehenes Navi leider ganz woanders hinggeschickt, denn das Gerät konnte die präzise Adresse nicht ausgeben. Gegen zwei Uhr haben wir dann an einer Tanke nachgefragt und zwei junge Kerle haben uns freundlicherweise und sehr engagiert den Weg auf die Rückseite unserer Hotelreservierung gekritzelt. Und dann endlich kamen wir gegen drei Uhr morgens hundemüde endlich in unserem Hotel an. Halleluja.

Dort entpuppte sich das angepriesene 4-Sterne-Hotel als 2sternig und wir bekamen vorerst nur ein kleines Zimmer direkt vorne zur Straße raus. Der erste Tag inkl. Anreise war also alles andere als prickelnd. Aber danach ging es steil bergauf, denn am nächsten Tag konnten wir in ein großes Zimmer im Erdgeschoss mit angrenzendem Balkon umziehen. Darüber hinaus erwarteten uns traumhafte Strände und nette Einheimische…

In der Zeit, wo unser Zimmer gemacht wurde, sind wir zu Fuß los um den Strand zu suchen.. und landeten nach 20 Minuten an einer Klippe mit herrlichem Ausblick.

An diesem Tag sind wir noch zu Aldi und Lidl in Albufeira gefahren, die hier mit einer gewaltigen Größe eine Monopolstellung haben. Und das Angebot – wow. Danach auf die Haupt-Einkaufs-Vergnügungs-Touristenmeile, den ‚Strip‘. Keine Sorge, hat nichts von Ballermann und laut war es auch nicht besonders – abgesehen von der Gruppe von Briten die sich neben uns im Restaurant lautstark bei einem Bier amüsiert haben.

Der Strip grenzt in südlicher Richtung genau an den Strand Praia da Oura. Hier gibt es ein Restaurant mit lekckerer Paella und einen sehr weitläufigen Strand mit Felsen, die den Strand vor allem nachts rechts hin in mehrere traumhafte, abgelegene Ministrände unterteilen. Weiter hinter sonnten Frauen sich sogar oben ohne und man kann in Höhlen klettern und Krebse am Gestein im Wasser beobachten. Aber Vorsicht sollte man hier bei Ebbe und Flut walten lassen. Es kann sein, das in ein paar Stunden das Wasser schon so hoch reicht, das man nicht so zurücklaufen kann, wie man gekommen ist. Aber durch die Höhlen führt eigentlich immer ein Weg zurück. Ganz nach oben auf den Berg musste ich dann natürlich auch noch kraxeln.. von da aus kann man den ganzen Strand sehen. Ich war verliebt. <3

Wir hatten nur leider während unserer Strandtour den Einkauf noch im Auto und Ziegenkäse und Schokolade hatten sich inzwischen verflüssigenderweise selbstständig gemacht. Erstmal oben in der Küche in den Kühlschrank verfrachtet und Besteck ‚ausgeliehen‘ um das Obst zu schneiden.

 

Ab ins Landesinnere: Silves, Monchique und malerische Landschaft

Als Nächstes sind wir mit unserem Leih-Honda von Albufeira ins Landesinnere gefahren. Am Morgen gabs Regen und später wieder Hitze. Das Gute am Mietwagen ist, das man haufenweise Wechselklamotten einpacken kann.
So sind wir dann nordwärts gefahren, nach Silves. Das ist eine nicht sonderlich aufregende Stadt, was die touristenmäßigen Attraktionen angeht, aber es gibt eine alte Burg auf der Spitze eines Berges von der man einen unglaublichen Blick auf die Stadt und die Hügel drum herum hat.

In der Burg gabs Crêpes zu essen, zusammen mit kleinen zuckersüßen Pflaumen, die ich am nächsten Baum gepflückt hab. Feigen, Oliven und das meiste Obst sind im Juni aber leider noch nicht reif. Nach der Burg sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gestromert.. durch die engen, etwas schmutzigen Gassen, in die sicher sonst kein Tourist kommt. Hier gabs noch weitere ausgemergelte Katzen zu sehen, Einheimische aber allgemein verbringen die Menschen nicht so viel Zeit auf den Straßen wie zum Beispiel in Spanien.
Da es ansonsten in Silves nicht viel gab, sind wir weiter nordwestlich Richtung Monchique gefahren – eine Landstraße die sich in Serpentinen die Berge entlangschlängelt, und auf der einem vielleicht alle 2-3 Minuten nur ein Wagen entgegenkommt. Dann habe ich am Straßenrand doch zwei riesige Feigenbäume entdeckt, nahe eines Hauses, die tatsächlich schon dunkle, reife Früchte trugen. Ratet, wo ich einen Moment später hingeschlichen und raufgekraxelt bin… einige Kratzer waren die Feigen aber schon wert, total lecker.

Ein Urlaub ist für mich überhaupt nur komplett, wenn ich selber etwas ernten kann. Und geklaut schmeckts immer noch am besten ;o

Generell ist es eine wunderschöne Tour, einfach mit dem Auto in der Algarve die Landstraße entlang zu fahren. Autobahnen haben wir komplett gemieden, da man dort Mautgebühren zahlen muss. Ansonsten gibt es in Portugal ziemlich strenge Tempolimits von 50 bis höchstens 70kmh. Einen Blitzer konnte ich jedoch nicht entdecken.
Fun Fact: Wenn man in Portugal auf der Landstraße zu schnell fährt, wird zur Strafe die nächste Ampel rot. Damit lassen sich Raser auch ausbremsen 😉

An einer Stelle nahe der Straße, wo wir eine Pause gemacht haben, standen merkwürdige summende Kästen herum, auf die Muttern sich glatt gesetzt hat, bis ich sie auf die BIENENSTÖCKE aufmerksam gemacht habe. Ansonsten sind mir am Wegesrand die großen Sträucher mit den großen grünen Bohnen aufgefallen… später haben wir dann erfahren, dass es sich um KAKAOBOHNEN handelt. Nice.
Kakao und Korkbäume wachsen in der Algarve zuhauf. Und die charakteristischen Korkbäume mit ihrer zweifarbigen Rinde sind vom Staat her geschützt – man darf sie nicht fällen. Wenn du also ein Haus bauen willst, musst du das um_den_Korkbaum_herum tun, wenn dort einer im Weg steht. Ansonsten wird man bestraft. Die spinnen, die Portugiesen.

Gegen späten Nachmittag und mit reichlich Hunger sind wir schließlich in Monchique angekommen. Ein bezauberndes Dorf, das so hoch im Norden der Algarve liegt, das es hier mit der Wolkendecke merklich kühler wurde. In einem Restaurant haben wir das portugiesisches Nationalgericht „Franceshina“ probiert. Also.. ich kann es nicht empfehlen.
Es ist eine Spezialität aus Brot, viel Fleisch, überbackenem Käse und ist in Soße getränkt. Dann wird noch ein Ei drübergehauen und das Ganze ist irgendwie ziemlich pappig.
Auf dem Rückweg kamen wir an meinem persönlichen Highlight vorbei: der Ausblick von ganz oben auf einen Fluss und das gegenüberliegende Ufer. Dies war von allen mein allerliebster Ort. Es sah wie gemalt aus, wie aus einem Western. Ich wollte so gerne auf die gegenüberliegende Seite, aber es war einfach kein Durchkommen mit dem Auto und alles nursehr steil. Nach etlichen Schotterwegen haben wir es dann aufgegeben und sind zum Hotel zurückgefahren – wo ich eine kleine Gottesanbeterin auf meinem Gurt gefunden, niedlich!

PS. Sonnenmilch scheint in Portugal eine Rarität zu sein, gibt’s nicht bei LIDL und ALDI und kostet in den Touristenläden 7-12 Euro. Also, vorher einpacken!

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