Marokko – 2000 Km in 17 Tagen

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Marokko 2016 war der aufregendste, abenteuerlichste und bisher schwierigste Urlaub. By far.
17 Tage Zeit für einen Tour durch Marokko mit dem Mietwagen. Von Marrakesch zu den Ouzoud Wasserfällen, hin zur Dades Schlucht, durch Zagora nach M’hamid und die Wüste wo die Grenze zu Algerien liegt. Von dort ein Stop-Over in Taliouine und weiter in Richtung Küste .. bloß weg von Agadir und hin zu Essaouira.
Ich rate allen, die in Marokko nicht nur ein bisschen Highway fahren wollen, einen Landrover zu mieten! Später erfahrt ihr noch, warum… es spart Zeit, nerven und vom Sand verstopfte Türen und Scheibenwischanlagen.

 

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Unsere Tour

 

Marokko ist wie ein Kulturschock, aber ein interessanter, aufregender und vor allem muslimischer. Sieht man sich die Menschen auf der Straße so an, gleicht Marokko doch ein wenig Tunesien: Es scheint, es gäbe es in dem Land keine Frauen und der rege Überschuss an Männern lungert zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Straßen und in den Cafés herum.
Startpunkt unserer Tour war Marrakesch. Unser Hotel ein klassisches Riad mitten in der stickigen, authentischen Medina, wo manche nicht mehr tragen als eine Hose locker auf der Hüfte, durch gelatschte Schuhen und einen Sack mit drölf Melonen.

 

 

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Mann in Marakkesch

Man bekommt den Eindruck, dass hier jeder jeden irgendwie um drei Ecken kennt. Ohne Guide hätten wir das Hotel niemals gefunden und unser Zimmer hat den Charme einer Rumpelkammer. Dafür liebe ich es, in dem Riad ganz aufs Dach zu klettern und von dort über die Dächer der Medina zu schauen. Die ersten vier Tage bleiben wir in der Hauptstadt und das reicht uns am Ende auch. Ich kaufe Melonen, ein Fläschchen Argan-Öl und werde bei über 30 Grad mitten in der Stadt von einem Hagelsturm überrascht.
Bei Ankunft sieht man hier als europäische Frau noch touristisch aus, aber wenn man clever ist, uns sich ein bisschen den örtlichen Straßenchic abschaut geht man für den flüchtigen Blick bald als Einheimische durch.

 

Kashbah-Gangster

#Kasbah Gangsterin

Trotzdem mussten wir uns daran gewöhnen, nach zwei Minuten auf der Straße angesprochen zu werden, nachdem wir aus dem Auto ausgestiegen sind.
Man kann sich hier super einfach mal 20 Minuten auf eine Bank setzen und die vorbei strömenden Menschen beobachten. Hier sieht man alles: Frauen vollverhüllt in Burka, jungen Mädels mit Minirock und kurz darauf eine vierköpfige, blonde Touristen-Family aus den nördlichen Ländern.

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Über den Dächern von Marakkesch

 

Man muss allerdings sagen, dass diese Artenvielfalt nicht für ganz Marokko gilt, viele Ort, an denen wir waren, scheinen noch in einer streng muslimischen Welt verankert, wenn nicht sogar im 18 Jh. stecken geblieben zu sein. Wenn man sich aufmacht in die Wüste Erg Chegaga, kommt man durch das Wüstendorf M’hamid und ca. 2km weiter nach alt-M’hamid. Und hier finden sich wirklich nur Lehmbauten, lose Kabel an den Außenmauern und ein Viehtrieb quer durch die hohen Gassen.

 

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Von dem lauten und quirligen Marrakesch geht es für uns mit dem Mietwagen zunächst nach Ouzoud – 160km nordöstlich von Marokkos Hauptstadt. Fast wäre dieser Punkt bei unserer Planung rausgeflogen, dann die Ouzoud Wasserfälle liegen wirklich etwas sehr weit ab vom Schuss, doch gewiefte Tourguides bieten sogar Tagestouren mit dem Bus ab Marrakesch und wieder zurück… Das ist sicherlich Wahnsinn, wenn man betrachtet dass wir mit dem Auto gute 3-4 Stunden gebraucht haben.

Das Problem sind die Straßen. Serpentin, schlecht ausgebaut und mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von höchstens 60kmh. Meist kann man das nicht mal fahren, außer, man ist lebensmüde.
Doch einmal im Hotel angekommen sind die Wasserfälle neben der Wüste das spektakulärste was wir in Marokko sehen. Durch die Regenfälle die Tage zuvor hatte sich eine Masse von Erdreich bewegt und der lehmige Grund mit dem Fluss vermischt. Was herauskam war ein – dennoch nicht unimposanter – brauner Durch(wasser)fall. Lustig ist, dass uns abgeraten wurde, uns auf die unteren Plattformen am Wasser zu begeben. Wenn man sich dort zu lange aufhält bekommt man eine feine Dreckschicht auf Haut und Haar durch den Erdanteil im Wasserdampf.

 

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Die Ouzoud Wasserfälle

 

Wir stehen ganz oben am Abgrund und hier gibt’s kein Geländer. Wer da wohl schon (unfreiwillig) runtergefallen ist..?
Am Hang bei den Plateaus haben sich etliche kleine Stände aufgereiht mit Souvenirs und Futter, geschützt durch eine Schicht aus Blattwerk der Bäume. Auch ganz oben auf dem Hang wird ein Hotel(?) neugebaut. Oh und Affen soll es hier geben. Das wildlebende Rudel Makaken – die Berberaffen – finden wir am nächsten Morgen auf einer Anhöhe gegenüber den Wasserfällen. Dort verteilt ein Einheimischer Erdnüsse um die Tiere anzulocken und schon man einen sitzen – auf dem Kopf, mit der Nuss in der Hand. Berührungsängste haben die Tiere nicht, obwohl sie tatsächlich frei und freiwillig mitten unter den Touristen herum wuseln und sich füttern lassen. Nachwuchs gibt’s auch und gleich in zweifacher Ausführung. Super süß.
Wir sagen den Affen Tschüss und setzen uns in den Wagen richtig Ouarzazate. Wenn wir gewusst hätten, was uns auf der Tour erwartet, wären wir wohl lieber bei den Makaken geblieben….

 

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An dieser Stelle ein kleiner Exkurs über die geographische Lage von Marokko. Die höchste Gebirgskette ist das Atlasgebirge, diese erstreckt sich im Querschnitt mitten durch das Land und teilt den Norden vom Süden. Und es gibt dort Straßen die über den Atlas führen… zumindest theoretisch. Wenn man sich die Karte im Reiseführer so anschaut, findet man eine kleine unscheinbare Linie die sich von Ouzoud südwärts genau nach Ouarzazate schlängelt. Nun zwar über das Gebirge aber die Kartenlegende lockt mit ‚Asphaltiert‘. Die Alternative wäre auf der „Schnellstraße“ um das Atlasgebirge drum herum, über Marrakesch und dann südwärts.

MapswithMe sagt, dass diese Strecke eine Stunde länger dauern würde… An dieser Stelle möchte ich den Erfindern von MWM einmal dezent den Mittelfinger präsentieren, dann was uns erwartete war eine 10(!)-stündige Horror-Fahrt mitten durchs Gebirge. Mit Schlammrutsch, verbogener Kupplung und letztlich Dunkelheit. Die ersten zwei-drei Stunden waren noch ganz manierlich und führten über Asphaltstraßen (aha) an Dörfchen vorbei immer weiter südlich… das ein oder andere Schlagloch gab es hier schon, doch der Weg wurde immer schlechter und als dann einfach die Straße aufhörte gucken wir ziemlich blöd aus der Wäsche. 10cm hohe Schlammlagen breiteten sich vor uns aus, einen Bachlauf mitten auf dem Weg mussten wir überqueren! und als dann die Dämmerung hereinbrach ging nichts mehr: Durch den Regen hatten sich auch hier Schlammberge vom Hang gelöst und die ‚Straße‘ war komplett dicht.

 

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Auf dem Weg von Ouzoud nach Ouarzazate geht beim Weg über die Berge gar nichts mehr…

 

Vor uns standen noch etwa fünf oder sechs andere Auto – ohne ihre Insassen, denn diese waren über den schlammigen Abhang geklettert um weiter vorne den zwei Baggern zuzusehen, die sich eilig daran machten, den Weg irgendwie wieder frei zu räumen.
Und wir mit unserem weißen kleinen Mietwagen….kein Allrad, kein nix. Dafür bald Kratzer und Beulen im Lack und vollverschlammte Felgen. Als nach einer dreiviertel Stunde die Bagger zur Seite fuhren, feuerten uns in der Dämmerung die Männer auf dem Hang an, mit Vollgas und durchdrehenden Reifen durch das Elend zu fahren, was man da freigeschaufelt hatte. Immer wieder kam der Wagen unten auf, kratze über Steine und blieb stecken.

Uns rutschte das Herz in die Hose und die Stimmung die bisher im besten Falle angespannt war, schlug um in Panik. Wir konnten an dieser Stelle nicht vor und nicht mehr zurück (5 Stunden zurück durch den Schlamm und Serpentin?)
Meine Begleiterin rastete irgendwann aus, an einer Stelle, als sich der Wagen dann partout nicht mehr steuern lassen wollte – scheinbar war die Kupplung irgendwo angeeckt und es ließ sich kein Gang mehr einlegen. Hier kam uns dann die aufgeschlossene Art der Marokkaner zu Gute – nachdem zwei auf uns einreden, stieg ein dritter aus seinem Minitruck und übernahm kurzerhand das Steuer. Mit heulendem Motor manövrierte er unseren Wagen aus dem Schlamm und rüber auf den Weg voller Geröllschutt und Kiesel. So aufgelöst wie meine Begleitung zu dem Zeitpunkt war hatte der Mann wohl Erbarmen mit uns und versprach, bis nach Ouarzazate mit seinem Truck hinter uns zu bleiben…

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Unsere Sicht nachts auf der unbefestigsten Bergstraße

 

Die anderen Wagen waren bald vor oder hinter uns verschwunden. Der zweite Mietwagen, den ich zuvor noch gesehen hatte, war einfach irgendwann hinter uns in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen…
Es wurde 21, 22 Uhr… inzwischen fuhren wir im komplett Stockdunklen auf einem schmalen Geröllpfad in luftiger Höhe ohne Geländer eine Rechts- und Linkskurve nach der anderen… etwa 80km und kein Ende in Sicht bei 15km Maximum.

10 Stunden Autofahren am Stück sind ja so schon eine Tortur, aber das hier werde ich wohl nie vergessen. Irgendwann um kurz vor Mitternacht kamen wir dann endlich von dem elenden Berg runter und fuhren im Stockdunklen weiter (endlich geradeaus!) bis wir schließlich auf die Straße kamen, die von Marrakesch nach Ouarzazate führte. Asphaltiert. Mit Markierung! Seine wir ehrlich, hätte wir diese genommen, wäre wir nach vier, spätestens fünf Stunden angekommen. So eierten wir um halb eins nachts durch den Ort und konnten dann unser außerhalb gelegenes Hotel nicht finden.
Abgestumpft, müde und ausgehungert, wie ich inzwischen war ließ ich Muttern im Wagen zurück und ging auf das einzige Wohnhaus im Umkreis zu, aus dem ein Hund kläffte und damit einen Mann im Nachthemd aufgeschreckt hatte. Der Verstand kein Englisch, aber den Hotelname auf meinem zerknautschten Zettel dann irgendwie doch. Ein andere schwang sich auf sein Motorrad und fuhr uns für ein Trinkgeld über ein unbefestigtes Schotterfeld (!) etwa 3 KM vor uns her, bis vor uns ein dumpfes Licht auftauchte. Das Hotel!
Müde empfing uns ein ob der Uhrzeit etwas mürrischer junger Mann, der uns einchecke und den beiden kläglichen Gestalten dann sogar noch ein ganzes Mittagessen machte. (Die Rechnung dafür war am Ende natürlich gesalzen… die Suppe leider weniger)

 

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Wunderschöner Bungalow in der Ecolodge L’ile Ouarzazate

 

Und so fielen wir gegen zwei Uhr ins Bett. In einem schönen Luxuszimmer vor einem Kornfeld, dass das Biohotel mit Getreide versorgt. Doch davon bekamen wir bis zum nächsten Tag nicht mehr viel mit….
Info zum Hotel: Ecolodge L’ile Ouarzazate ist traumhaft außerhalb gelegen, mit Wasser in Sichtweite. Man wohnt in einem Bungalow der wirklich luxuriös ausgestattet und dekoriert ist. Wenn man morgens aufsteht blickt man erst mal über ein goldenes Getreidefeld. Das Essen war okay, nur wie gesagt etwas teuer da man hier Selbstangebautes Gemüse verwendet. Und im Mai hatte sie einen Wurf kleiner Kätzchen und Hunde. Enough said.

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Vor den Bungalows konnte man morgens frühstücken – oder einfach nur entspannen

 

Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht. Man sieht das Hotel nicht mal vom nächstliegenden Ort, Talat Tarmigate, am Rande von Ouarzazate City. Man kommt dort nur mit einem beweglichen Untersatz über ein Geröllfeld hin, bei dem man tierisch aufpassen muss, der richtigen Spur zu folgen. Diese ist bei Tageslicht durch weißere Markierungen auf Steinen am Boden zu sehen.. im Dunklen ist man beinahe chancenlos, denn ein Schild oder ähnliches gibt es nicht. Und auch das Navi kann einem hier nicht weiterhelfen. Wenn man bei Tageslicht anreist (auch von einer Tour in die Nachbarstadt) ist das Ecolodge aber zu empfehlen.

 

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Kleiner Bewohner der Ecolodge

 

Unsere weitere Reise verlief ohne besondere Vorkomnisse (abgesehen von der Horde Kinder, die mich in dem kleinen Dorf an der Hand nahmen und entführen wollten…). In M’hamid, dem kleinen Ort nahe der Wüste Erg Chegaga wollte unser 30-jähriger Guide meine Mutter heiraten, ich bekam zwei Angebote, zum Massieren von zwei verschiedenen Männern und der Sonnenuntergang über den Dünen ist atemberaubend.

 

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Auf dem Weg in die Wüste

Wer in Marokko ist, muss unbedingt Ait Benhaddou besuchen, für die originale marokkanische Filmkulisse. <3

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Auf Zeitmangel muss ich diesen Eintrag leider hier abbrechen. Ich würde Frauen generell empfehlen, mit männlicher Begleitung herzukommen, es reist sich einfach entspannter. In der Gegend rund um Essaouira lohnen sich ein Ausritt am Strand und ein Trip zum Hafen.
FAZIT: Spannendes Land. Vielleicht nicht unbedingt etwas für Anfänger in Sachen Individualreisen aber günstig und schnell von Deutschland aus zu erreichen.

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ibrahim

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