Italien Part 2: Florenz und Aufbruch zum Reiterhof

Brücke in Florenz

Brücke in Florenz

Ich stehe früh auf und lege Annamaria einen Zettel mit einem Stück Schokolade als Dankeschön auf den Tisch. Dann geht es auf mit dem Trolley durch die Stadt in Richtung Bahnhof  – und das war noch der leichte Part.

Am Bahnhof ging das Chaos dann los: Menschenmengen, Schlangen vor den Ticketautomaten und um an einen Serviceschalter zu kommen und sich dort beraten zu lassen, musste man erstmal an einem anderen Schalter anstehen, um eine Nummer zugeteilt zu bekommen. Ich empfehle an dieser Stelle jedem der in Italien mit dem Zug fahren will, das Ticket online auf trenitalia.it zu kaufen! Das hat mir auf dem Rückweg sehr viel Ärger gespart.

Nun stand ich aber erstmal vor dem Ticketautomaten und hatte die Wahl zwischen einem Schnellzug für rund 40 Euro – oder einem Zug für 9,60 Euro mit 1:40 Dauer. Ich nehme den Günstigen und muss rennen, denn Abfahrt ist ein sechs Minuten! Und ich habe keine Ahnung, an welches Gleis ich muss. Keine englischen Schilder, keine Erklärungen, keine Beschriftung am Zug. Der Stresspegel steigt. In letzter Sekunde habe ich dann in der Tür die Mitfahrer im Zug gefragt, ob ich richtig bin – und bekam die Antwort: Ja, aber ich müsste in Prato umsteigen.

Nachher sagt mir das auch noch ein Schaffner und erklärt mir, dass ich mein Ticket vorher entwerten muss. … .. woher soll ich das wissen? T_T

SAM_3408Reichlich genervt hieve ich in Prato Central meinen Koffer die Treppen hoch aufs andere Gleis und dann sind es nochmal 20 Min nach Firenze Santa Monica Novella. Und schon der Bahnhof sieht hier sehr schön aus, groß und nicht so knubbelig wie in Bologna. Oh, und da sind Touristen. Plötzlich sehe ich sie überall. Die ganze stadt ist voll und damit verbunden auch die Touriangebote und Italiener die ENDLICH mal englisch sprechen! Woah.

Ich versuche mein Hostel zu finden, MapswithMe geht erst nach einigem guten Zureden. Dann finde ich nach ca. 10 Minuten Marsch endlich mein Hostel in einem Hinterhof. Eine junge Asiatin mit Kinderwagen empfängt mich an der Rezeption und zeigt mir anschließend das Zimmer. Es ist ein 4er female Dorm. Also ein reiner Frauenschlafsaal und außer meinem ist bisher nur ein Bett belegt. Der Schlüssel dreht im Schloss durch und klemmt. Ich sehe mal davon ab zumindest, das Bad auch immer auf und zuzuschließen. Stell mal vor man muss mal dringend aufs Klo….

Alles in allem ist das Hostel aber nicht so schlimm, wie befürchtet und zumindest sauber. Ich bin total müde, kloppe mich aber trotzdem um drei Uhr nochmal hoch und erkunde die Stadt. Hole mir einen Power-Smoothie in einer trendigen Gelateria und komme aus dem Staunen nicht mehr aus: Florenz ist so viel schöner als Bologna – zumindest architektonisch.

SAM_3418Die ganze Stadt ist ein einziges Museum mit wunderschönen Gebäuden, Statuen und Museen – und zwischen sündhaftteuere Boutigen à la Gucci, Prada und Lederschuh-Boutiquen und gibt es allerhand edle Fressbuden und Eis im XXL-Format.

Rieseneis in Florenz

XXL-Eishörnchen in Florenz

Über eine Brücke schlendere ich auf die andere Seite der Stadt, vorbei an Straßenhänder die mir Selfi-Stöcke andrehen wollen. Ätsch, kann ich auch so. Kehre dann in einem Staßenrestaurent ein und bestelle frische Pasta mit Meeresfürchten. Sind ein paar kleine Krabben drin, und einen O-Saft. Fazit: Essen 9 Euro, O-Saft im Glas dreiste 6 Euro!! und dann noch zwei Euro Servicepauschale. Irgendwie ziehen einen die Italiener beim Essen immer ganz schön ab…

Ich ärgere mich und schlendere durch die Straßen mit Lädchen, Kunsthandwerk, Glaswerkstätten und und und… Da mir die Füße weh tun, will ich zurück und verlaufe mich dabei tierisch. Lande durch den Umweg dann aber genau in der Künstlermeile, wo auch der David ausgestellt ist und werde von wunderschönne, melodischen Gitarrenklängen angelockt. Dort spielt ein Straßenkünster mit einer ganzen Traube an Menschen, die enspannt wie in Trance der Musik zuhören. Ich mache Fotos, filme und tingle über den Platz mit dem David und Neptun und den anderen nackten Kerlen und mache mich dann endlich auf den Rückweg.. Ganz knapp schaffe ich es vor den ersten dicken Tropfen noch ins Hostel zurück, bevor buchstäblich die Wolken aufbrachen.

Der David

Der David

Im Zimmer sind wir inzwischen zu viert und somit komplett. Zoe aus Sidney, Jane von San Francisco bzw. Indonesien und eine etwas nervige, Tante die ständig Besuch mit aufs Zimmer schleift. Zoe und Jane unterhalten sich und hören gar nicht mehr auf… jedes zweite Worte ist ‚like‘ in schönstem nasalen Amerikanisch und mich retten meine Kopfhörer, als ich erstmal ein paar Fotos auf den Laptop übertrage.

Am Ende konnte ich dann erstaunlich gut schlafen, obwohl eine der Mädels erst um zwei Uhr heimkam und die andere schon um 6:30 wieder aufgestanden ist. Was für ein Mief das morgens in einem Schlafraum ist, glaubt manallerdings gar nicht. Ich deponiere meine Tasche im Storage und mache mich an Florenz Part 2. Noch einmal in Ruhe den David besuchen und mit ihm Posen und siehe da, auch der Gitarrenspieler ist wieder da. Ich hole mir ein fettes Rieseneis für sechs Euro und werde damit sitzend vor einem Nobelladen von einem Typ im Anzug weggejagd. Also kehre ich zum Bahnhof zurück, ein Internetcafe suchen und mein Ryanair Rückticket drucken, da man dieses immer erst eine Woche vorher tun kann, wenn man keinen Sitz reservieren möchte.

 

 

Ankunft in Vallebona – Lost in Pontassieve

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Dann geht es endlich los und ich nehme den Zug Richtung Pontassieve … und bereits da hatte ich Bammel, ob das mit dem Transfer zum Hof klappt. Mein Plan war, mir ein Taxi für die 7-8 Kilometer zum Hof zu nehmen. Da wusste ich allerdings noch nicht, dass es tatsächlich KEIN einziges Taxi in diesem Or gibt, was eigentlich gar nicht so kaffig ist (Größe von Solingen). Außerdem liegt Vallebona mitten auf einem Berg in der Toscana.

Gestrandet in Pontassieve...

Gestrandet in Pontassieve…

Leicht in Panik frage ich den Typ im einzigen Bahnhofskiosk nach einem Taxi und der gibt mir ein Kärtchen, mit dem von irgendwo eins gerufen werden kann. Ich rufe dort an, doch die Nummer ist nicht vergeben. Plan B war, bis 16:30 Uhr zu warten, wo angeblich ein Transfer von Vallbona aus stattfinden soll. Es zeigte jedoch sich niemand. Da mir langsam die Ideen ausgehen, rufe ich mit dem Handy auf dem Hof an und spreche mit einer netten Dame, die sogar Deutsch spricht. Mein erster Kontakt mit Raimonda, der ‚Herrin‘ des Hauses. Sie klingt sehr verständnisvol und verspricht, mich abzuholen. Es dauert fast eine Stunde, dann fährt eine nette ältere Dame vor und entschuldigt sich erstmal, obwohl es ja eigentlich mein Fehler war. Sie musste im Endeffekt zweimal den Transfer an diesem Tag spielen.

Von da an wird es endlich gut – wir fahren weit in das Landesinnere hinein, durch wunderschöne Landschaft und iiiiimmer weiter den Berg hoch – bis da echt nichts mehr ist, außer einem alten Backsteinhaus mit benachbarten Stallungen. Raimonda spricht so gut Deutsch, weil sie das in Bologna studiert hat. Wie gut ich denn schon reiten können und wie ich überhaupt von Vallebona erfahren habe, will sie wissen. Die Fahrt vergeht wie eim Flug bis wir vor einem rustikalen Bauernhaus mit mitten umgeben von Olivenbäumen halten.

Es gibt einen großen offenen Kamin, zahlreiche Bilder von Pferden an den Wänden und vor der Türe stehen zahlreiche Schuhe und Reitstiefel mit Dreck aus dem Stall.

 

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