Italien #3 – familiäres Feeling auf Vallebona

SAM_3687

Und so beginnt meine schöne Woche auf Vallebona: Ich teile mir ein Zimmer mit einer Schweizerin und ihrer 14-jährigen Tochter. Es gibt eine Menge Schweizer hier, haben gerade Schulferien. Und eine deutsche Familie aus der Nähe von Düsseldorf ist dabei. Insgesamt sind wir ca. 20 Gäste – und alle sprechen irgendwie Deutsch. Manche sind schon das fünfte oder sechste mal hier, andere schon vor über zehn Jahren das erste Mal.

Ein altes Foto von Franco aus dem Familienalbum

Ein altes Foto von Franco aus dem Familienalbum

In Vallebona ist alles sehr familiär. An der Wand hängt ein steinhartes Lebkuchenherz mit „Danke für 10 Jahre ‚Ponyhof! <3‘“ und daneben ein selbstgemachtes Album mit Fotos aus den 80ern von Gästen und Pferden.

Angenehm überrascht gehe den Berg runter zum Stall und schaue mir erstmal die Pferde an. Dann Duschen. WLAN läuft auch, yay. Da das Abendessen frühestens um halb neun beginnt organisiert mir eine Schweizerin, die hier schon zum Urgestein gehört, einen Teller mit Brot und dazu Olivenöl und Salz. Die typische Vorspeise hier: Öl auf den Teller, Brot drin wälzen, salzen und nach belieben nach Parmesan drüber. Mmh. Gegessen wird an robusten, Gruppentischen und es gibt immer zwei Gänge, plus Desert. Angefangen mit zwei verschiedenen Arten Pasta, gefolgt vn Fleisch mit Gemüse und/oder Salat. Beim Essen geht dann normalerweise Franco rum, der Mann von Raimonda, und fragt die Gäste, wer am nächsten Tag reiten möchte und welches Pferd präferiert.

Für den ersten Tag bin ich total ko, aber zufrieden. Das wird erholsam. Viel machen außer Reiten und Lesen kann man hier nicht. Hier kann ich nach den vier stressigen Tagen in der Stadt endlich Ruhe finden.

SAM_3669

Am nächsten Tag, Sonntag, regnet es. Nein, es gießt wie aus Eimern und es scheint auch kein Ende in Sicht. Im Rückblick auf die Woche hat es fast jeden zweiten Tag tierisch geregnet, was natürlich nicht so geil ist wenn man auf dem Rücken eines Pferdes sitzt.

Die Morgengruppe wollte eigentlich um 10 Uhr nach dem Frühstück ausreiten, aber nun sitzen alle im Aufentshaltsraum und… warten, unterhalten sich, lesen. Ein Mann von der Familie aus Deutschland spielt Gitarre und singt zu sich selbst. Es ist gemütlich… wenn es nicht so frustrierend wäre. Ich bin heute um 16 Uhr mit dem erstem Mal Reiten dran und bin mal gespannt wie das Wetter bis dahin aussieht. Ich müsste dringend Wäsche waschen weil mir schon wieder die Sachen ausgehen. Aber Raimonda hält uns an, Wasser zu sparen weil wir eine Knappheithaben. Ich denke mal bei dem Wetter hat sich das mit dem Wasserproblem zumindest für den Augenblick erledigt. .. ….! Sonst hänge ich meine Sachen einfach draußen auf die Leine und pulvere etwas Waschmittel drüber. Wäscht.

Am Mittag wird das Wetter tatsächlich besser und wir gehen als gesamte Gruppe runter zum Stall. Der Morgentrupp will schließlich nachholen.

Pferde gibt es mit 44 Stück genug. Wir teilen uns in drei Gruppen auf und die Erfahrenen machen einen Ausritt durch die Berge, während ich mit einer der Trainigsgruppen auf dem Platz bleibe. Der Manege. SAM_3777Mein erstes Pferd, ein Hengst namens Merlino ist ein ziemlicher Ömmes: Er sabberte in einer Tour und scheint meine Aufregnung zu spüren. Ansonsten ist er aber ein ganz Lieber und dasAufsitzen klappt prima. Dann weißt uns Franco in die Basics ein, wie man die Zügel beim Western richtig hält und das Tier lenkt. Ich habe noch Probleme mit der richtigen Portion Schenkeldruck, denn etweder reagiert Merlino gar nicht oder wird direkt zu schnell. Mir gefällt, dass es im Westernreiten zwischen dem Schritt und Trab noch den Jog gibt, eine leichtere, fließendere Bewegung des Pferdes, die auch noch elegant aussieht.  Ich merke, dass das ‚up and down‘ schon viel leichter geht, als die Male die ich davor auf einem Pferd gesessen habe. Man bekommt Übung. Leider fängt es nach andershalbstunden wieder dermaßen an zu schütten, das wir die zweite Stunde abbrechen und zurückzum Stall müssen. Mir reicht es auch für die erste Stunde und ich stakse erstmal breitbeinig unter die Dusche.

20151004_205601Von da an entscheide ich mich, beim Nachmittagsreiten um vier Uhr zu bleiben, weil ich einfach zu kaputt bin. Franco teilt mir ein nette Stute mit Namen Ranchera zu, die beim Gallop angeblich ‚wie auf Wolken‘ läuft. Ich bin gespannt. An dem Abend spielt Franco mit dem German-Dad im Duett Gitarre und alle lassen um die Feuerstelle herum den Tag ausklingen. Hier fühlt man sich wirklich Zuhause.

 

Der Dritte Tag ist sonnig…

auch wenn es erst morgens gar nicht so aussah. Ich sehe bei der Reitlektion nach dem Frühstück zu, wie alle in der Manage auf und ab hoppeln auf den Rücken ihrer Pferde. Als dann die Sonne rauskam, wurde es richtig warm. Jacke aus, Schal aus. Und dann bin ich mal ein bisschen durch die Gegend spaziert auf Erkundungstour.

Viel gibt es hier wirklich nicht zu sehen, nur zahllose Olivenbäume. Und: unreife Oliven schmecken eklig bitter UND scharf. Da waren die Feigen schon besser, die sich dann und wann noch am Baum finden ließen. Ich stapfe einen schlammigen Pfad entlang und meine Stiefel werden vom Matsch immer schwerer. Plücke frische Minze, die hier dicht am Weg in Hülle und Fülle wächst und mache mir damit erstmal eine heiße Minze zum Mittagsessen.

Da die meisten morgens schon geritten sind, bin ich beim Ausritt am Nachmittag fast alleine und werde mit Gästen von Außerhalb zusammengewürfelt. Ich musste mich beherrschen nicht zu breit zu grinen als plötzlich ein Typ mit grauem Maßanzug und lächerlichen Reitstiefeln in den Stall tritt. Da fragt man sich schon, wie er damit aufsteigen will, ohne das seine Hose reisst. Später stellt sich heraus, der will gar nicht selber reiten sondern für seine ‚Kunden‘, ein Paar aus San Francisco, einen Ritt organisieren. Ich reite also zusammen mit zwei totalen Anfängern aus, geführt von Katharina, einer netten jungen Schweizerin.   Wir unterhalten uns auf Englisch über das Studium, meinen Blog und Italien im Allgemeinen. Die Stimmung ist gut und so eine kleine Gruppe auch mal recht angenehm.

Wir reiten steil bergauf über Schotter, dann durch den Wald und bekommen einen herlichen Ausblick über die Hügel der Toskana. Wein wird hier überall angebaut und Ranchera, die Gute, klaut sich immer wieder einen ganzen Ast beim Vorbeilatschen. Munch, munch.

Zwischendurch verliert die Touristin noch ihre 200 Euro teure Sonnenbrille, lacht am Ende aber dennoch und hat den Trip sichtlich genossen.

Ziemlich kaputt aber glücklich kommen wir zurück und ich penne schon wieder fast beim Abendessen ein. An diesem Abend spüre ich meinen Hintern und die Oberschenkel schon heftiger als gestern.

 In dieser Nacht musste ich feststellen, das Unwetter ziemlich heftig in den Bergen sind…

SAM_3503

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.